von Andi Brunner
„KrisenFest?!" – Heidelberger Symposium
Unser Stadtteilverein Bahnstadt e. V. wurde eingeladen dem Symposium vom 28.-
31.5.2026 beizuwohnen. Ich war dabei. Um Vereinspolitik ging es eher nicht, doch
um das Große Ganze auf der Welt, was sich in Teilen auf das Individuum übertragen
lässt. Demokratie und Freiheit – große Themen des Symposiums – sind auch
Attribute, die das Vereinsleben prägen, und die es zu wahren und zu beschützen gilt.
Krise ist das neue Normal

Foto: Andi Brunner
Dieser Ausruf begleitete viele Vorträge, doch nicht um Angst zu machen, sondern mit
kühlem Kopf abzuwägen, wie wir dem neuen Normal begegnen sollen. Die Vorträge
behandelten unzählige Themen aus Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft.
Ein ganz besonderer Moment war der Eröffnungsvortrag von Joachim Gauck,
Bundespräsident a.D. mit anschließendem Sektempfang. Dort konnte ich erleben,
welch ein besonderer Mensch mit 50 Jahren Diktaturerfahrung und einem breiten
Allgemeinwissen am Rednerpult in der Neuen Aula stand. Klar und prägnant sprach
er während des Vortrags seine Gedanken zu Gesellschaft, deren politischer
Strömung, die geopolitische Lage und die damit verbundene Demokratiegefährdung
aus. Dies sollte uns jedoch nicht ängstigen und verdrießlich machen, sondern
beflügeln Demokratie zu verkörpern, in unserem Umfeld als Haltung zu wahren,
stetig für sie zu kämpfen und neu zu verhandeln. Freiheit ist keine
Selbstverständlichkeit. Es ist wichtig, dass jede einzelne Person Verantwortung dafür
trägt. Später am Stehtisch beim Empfang wirkte er sehr nah, sympathisch und
wahrhaftig. Eine wunderbare Begegnung, die noch lange nachhallt!
Außerdem besuchte ich einen Vortrag zu geopolitischen Veränderungen von Dr.
Sebastian von Münchow, Sicherheitsexperte & Völkerrechtler und weitere packende
Vorträge zu KI, Klima und Gesundheit standen auf dem Programm.
„Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“ mit dem
Journalisten, bekannt vom DLF und Studio 9, Korbinian Frenzel war höchst
anregend. Es ging es um Ursachenforschung zu Vertrauensverlust in Politik, Medien,
um „Kulturkampf“ und weitere Faktoren, die unsere Freiheit und Demokratie
gefährden könnten. Auch die Frage, was Medien in alter und neuer Form tun können,
wurde diskutiert. Frenzel entließ uns mit drei Fragen von Habermas: Ist es wahr? Ist
es richtig? Ist es wahrhaftig?
Zwischen all der üppigen, geistigen Nahrung besuchte ich noch einen Workshop zu
journalistischem Schreiben. Zwei junge RNZ-Redakteure führten uns ein und stellten
praktische Aufgaben, sodass wir gleich ins Schreiben kamen – ganz analog mit Stift
und Papier. Anschließend entstanden spannende Diskussionen zu Schreibstilen und
natürlich auch zur Print-Medienwelt.
Ein weiterer Höhepunkt der Tagung war der Vortrag mit dem Thema „Krisenfest
durch Konsequenz: Finanzkriminalität am Beispiel von CumEx – und wie wir sie
wirksam bekämpfen können“ mit Anne Brorhilker Vorständin Finanzwende e.V.,
ehem. Oberstaatsanwältin, Juristin, Expertin für Wirtschaftskriminalität und prägende
Ermittlerin im CumEx-Skandal. Fazit ihres Vortags war es aufzuzeigen, wie der Staat
fehlenden Steuergeldern beikommen kann, so er nur für die entsprechen
Ressourcen sorgt.
Alles in allem war das Heidelberger Symposium sehr gelungen, Die
Rahmenbedingungen waren perfekt, begleitet von hervorragender Verköstigung. Das
Team der Helfenden war außerordentlich umsichtig, emsig und stets gut gelaunt.
Man spürte den demokratischen Geist der Gemeinsamkeit, der ermutigt sich gegen
antidemokratische Kräfte und populistische Haltungen zu wehren. Das nächste
Symposium findet im kommenden Jahr wieder um Pfingsten satt. Ein Besuch lohnt
sich. Auf dass wir zuversichtlich unsere Vereinsarbeit meistern und unser
kommendes Sommerfest gestalten, verbunden mit guten Gesprächen.