Rückenschmerzen neu gedacht

Rund 30 interessierte Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des Bahnstadtvereins, um aus erster Hand von dem renommierten Wirbelsäulenspezialisten Prof. Dr. med. Basem Ishak zu erfahren, wie Rückenschmerzen entstehen und wie Betroffene ihre Beschwerden besser verstehen und einordnen können.
Zu Beginn erläuterte Prof. Ishak die grundlegende Einteilung von Rückenschmerzen in spezifische und unspezifische sowie akute, subakute und chronische Beschwerden. Diese Differenzierung hilft dabei, mögliche ernsthafte Ursachen zu erkennen und die Beschwerden entsprechend ihrer Dauer einzuordnen.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, warum Rückenschmerzen überhaupt entstehen. Durch zahlreiche Fragen aus dem Publikum entwickelte sich ein lebendiger Austausch, der die komplexen Zusammenhänge anschaulich und verständlich machte. Besonders eindrucksvoll erklärte Prof. Ishak, dass rund 85 Prozent aller Rückenschmerzepisoden auf unspezifische Ursachen zurückzuführen sind. Faktoren wie genetische Veranlagung, Bewegungsmangel, Verschleißerscheinungen, muskuläre Verspannungen und psychische Belastungen wirken dabei häufig zusammen und können sich gegenseitig verstärken.
Ein zentrales Thema des Vortrags war die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich ein Leben lang anzupassen. Prof. Ishak erläuterte, dass chronische Schmerzen das Nervensystem nachhaltig prägen können. Gleichzeitig eröffnet diese Anpassungsfähigkeit neue Chancen für die Therapie: Durch Bewegung, gezieltes Training, Entspannung und positive Erfahrungen können ungünstige Schmerzmuster verändert und die Kontrolle über das Schmerzgeschehen zurückgewonnen werden.
Den praktischen Abschluss der Veranstaltung gestaltete Prof. Dr. Barbara Burwinkel mit einer Reihe von Achtsamkeits- und Rückenübungen. Die Teilnehmenden erhielten Anregungen zur Mobilisation, Kräftigung, Dehnung, Koordination und Entspannung und konnten die vorgestellten Inhalte direkt in die Praxis umsetzen.
„Das Format war für uns neu und die positive Resonanz zeigt, wie groß das Interesse an Gesundheitsthemen in der Bahnstadt ist“, resümierte Initiator Thorsten Hupperts. Die Veranstaltung machte deutlich, dass moderne Schmerzforschung neue Perspektiven auf Rückenschmerzen eröffnet und Betroffenen zugleich konkrete Möglichkeiten aufzeigt, selbst aktiv zu werden.