Themenabend: Planungsstand der Baufelder
Am 11. März 2026 hatte der Stadteilverein Herrn Christian Plöhn, Leiter des Stadtplanungsamtes, zum Themenabend Planungsstand der Baufelder in der Bahnstadt eingeladen, der uns über den neuesten Stand der Bauvorhaben in der Bahnstadt aufklärte. Wir alle kennen die Brachen, die sich auf dem Gebiet des Quartiers verteilen. Was soll mit denen passieren? Wann geht es mit welchem Projekt los? Diese Fragen regten ca. 80 Menschen an die Veranstaltung zu besuchen. Der ursprünglich dafür vorgesehene Seminarraum in Erdgeschoss des Bürgerhauses Bahnstadt erwies sich kurz vor Beginn als zu klein, sodass die Veranstaltung nach oben in den großen Bürgersaal umziehen musste.
Von den Anfängen der Bahnstadt bis zum Rahmenplan von 2025
Herr Plöhn zeigte anhand einer aussagekräftigen PowerPoint-Präsentation die chronologische Entwicklung der Bahnstadt von der ursprünglichen Wettbewerbsausschreibung in den 1990er Jahren, an der 158 Architektenbüros teilgenommen hatten, über die Nominierung des Gewinners und Annahme des Rahmenplans im Jahr 2001 bis zur fortlaufenden Konkretisierung und Qualifizierung der Rahmenplanung zwischen 2007 und 2025. Der einstige Güterbahnhof mit den vielen Gleisen und Weichen spiegelt sich in der Planung der Straßenverläufe wider. An den Stellen, an denen die Straßenzüge spitz zulaufen, befanden sich einst Weichen. Das ab 2008 entstandene Baugelände wurde primär mit Passivhäusern ausgestattet. Außerdem war der neue Stadtteil einst als autoarmer Stadtteil konzipiert unter dem städtebaulichen Leitbild „Die Stadt der kurzen Wege“, wie Herr Plöhn erläuterte. Herr Plöhn zitierte eine Statistik, nach der die Bahnstadt nur 20% des Wärmeverbrauchs eines vergleichbaren Heidelberger Stadtteils aufweist, was auf die konsequente Passivbauweise zurückzuführen sei.
Stadtteil der kurzen Wege
Aktuelle Baufeldentwicklungen
Was die aktuellen Baufeldentwicklungen betrifft, sind drei der Baufelder entweder bereits im Bau bzw. deren Bebauung bereits genehmigt, insgesamt sind neun in Planung und sechs befinden sich in der mittel- bis langfristige Entwicklung. Was einige im Bau befindliche oder geplante Bauvorhaben betrifft, stoßen diese nicht bei allen auf volle Zustimmung: wie der laufende Bau des Parkhauses beim Zollhofgarten. Außerdem ist noch unklar, ob ein Studierenden-Wohnheim mit 650 Zimmern (ca. 18 qm) zu Mietpreisen von über 1000 € neben der Schule realisiert werden wird. Einige Fraktionen im Gemeinderat sprechen sich dagegen aus. Auch die möglicherweise zu erwartende hohe Fluktuation der Wohnraum in dieser Preisklasse mit sich bringt, mag die Qualität des gesamten Quartiers mindern. Wohnraum ja, aber zu akzeptablen Preisen, war auch die wahrgenommene gängige Meinung im Publikum.
Vieles ist aber auch im positiven Sinne gewachsen, nicht nur die Bäume auf der Pfaffengrunder Terrasse, sondern auch der Bau der Wasserbecken an der Westseite des Langen Angers (von der Pfaffengrunder Terrasse bis zum Spitzen Eck). Herr Plöhn geht von der Fertigstellung der Becken im April 2026 aus. Das letzte Stück der Promenade soll ebenfalls demnächst fertiggestellt werden, um den Promenadenweg abzuschließen. Bisher war damit pausiert worden, um die Bebauung der direkt angrenzenden unbebauten Flächen abzuwarten. Vor allem die fehlende Beleuchtung ist in den letzten Jahre mehrfach gegenüber der Stadt bemängelt worden. Dieser Mißstand soll nun bald behoben werden.
Herr Plöhn stellte die zwei Flächen vor, die demnächst bebaut werden: neben dem Parkhaus soll ein weiteres Labor entstehen, wie auch auf dem Baufeld direkt hinter dem Kongresszentrum. Auf der Freifläche zwischen Czernyring und Czerny-Brücke wird derzeit das Montpellier Carré gebaut. Direkt vor dem Lokal Katzentempel soll bis zum Czernyring ein öffentlicher Begegnungsraum mit Bäumen und Sitzgelegenheiten entstehen. Es existieren noch über 10 weitere Brachflächen, die darüber hinaus bebaut werden können, deren Nutzung aber weitgehend unklar ist. Beispielsweise das Baufeld auf der gegenüberliegenden Seite der Czerny-Brücke, direkt angrenzend an den bebauten Europaplatz. Wo derzeit noch das ehemalige Postverteilzentrum steht, erschweren Bodenbeschaffenheit und Lage die Suche nach einem Eigentümer. Zwar plant die Stadt dort schwerpunktmäßig Gewerbe mit Wohnanteil, die Hanglage in Richtung der Bahngleise und die direkte Angrenzung an die Czerny-Brücke stellen aber besondere Herausforderungen an Bebauung und Nutzung. Für das große Baufeld auf dem ehemaligen Telekom-Areal zwischen der Da-Vinci-Straße, Grüner Meile und Eppelheimer Straße wurde vor einigen Jahren bereits ein Konzept vorgestellt, ebenfalls hier im Bürgerhaus der Bahnstadt. Seitdem hat sich der Investor aber nicht aktiv um eine Realisierung bemüht. Das Gebiet des ehemaligen Volvo-Autohauses neben dem Ärztezentrum Grüne Meile befindet sich aktuell im Interessenbekundungsverfahren.
Aktueller Baufeldstand
Herausforderungen
Einige Investoren sind aber aus finanziellen Gründen wieder abgesprungen. Die muslimische Akademie wird nicht mehr realisiert, da es für das Projekt keine Finanzierungsmöglichkeiten gibt. Die Bebauung des Baufelds am westlichen Eingang zur Bahnstadt muss daher neu ausgeschrieben werden. Herr Plöhn schilderte die komplexe Lage, wenn es darum geht Investoren zu finden, die den Ansprüchen genügen und bezahlbaren Wohnraum anbieten. Es wurden bereits Bestrebungen zu billigerem Bauen laut, die das Konzept der Passivhausbauweise aufweichen. Da das Quartier sowohl Wohnen als Gewerbe bieten soll, ist das eine oder andere Bauprojekt schwer zu realisieren, weil es herausfordernd ist Investoren zu finden, die Gewerbe, wie Ladenflächen und Gastronomie mit Wohnen vereinbaren. Man ist in der Planung stärker eingeschränkt, wenn Wohnungen z. B. nicht im Erdgeschoss liegen können. Auch die Nutzung von Erbpacht wurde angesprochen, was der Stadt über Jahrzehnte zukünftig Handlungshoheit über ein Baufeld sichern würde. Dieses Konzept ist aber bei Investoren jedoch sehr unbeliebt.
Bei PV-Anlagen stößt man auch auf Unwegsamkeiten. Die Grasdächer waren einst als Auflage der Stadt gedacht, um versiegelte Flächen zu kompensieren, d. h. der Raum für die PV-Anlagen ist streng begrenzt, wenn weiterhin begrünte Dächer bestehen bleiben sollen. Da sich die PV-Anlagen weiterentwickelt haben und die Energiepolitik sich gewandelt hat, mögen eventuell Lockerungen bei der Installation der Anlagen zukünftig möglich sein, so dass mehr Strom autark produziert werden kann. Näheres konnte Herr Plöhn dazu verständlicherweise nicht sagen.
Im Bürgerdialog: Ein Biergarten in der Bahnstadt?